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RDB 2005 • Literatur     
 

Faktor-V-Leiden und Prothrombin 20210A

RDB 2005

Bestimmung der Mutation FV:Q 506 im Faktor V-Gen sowie der Mutation 20210A im Faktor II-Gen

 

Faktor-V-Leiden

Thrombosen gehen auf Störungen des Gerinnungssystems zurück und können mit Spätkomplikationen bis hin zur Lungenembolie verbunden sein. Einer der Regulatoren des Gerinnungssystems ist das Aktivierte Protein C (APC), eine Serin-Protease. APC beeinflusst zusammen mit einem Kofaktor den Gerinnungsprozess durch proteolytische Inaktivierung von zwei Komponenten der Gerinnungskaskade, den Faktoren Va und VIIIa. Faktor Va entsteht durch Spaltung aus dem Faktor V-Protein, ein Prozess, der wiederum durch Faktor IIa vermittelt wird.
Die Resistenz gegen aktiviertes Protein C (APC-Resistenz) ist der nach heutigem Kenntnisstand der häufigste genetische Risikofaktor für eine venöse Gerinnungsstörung. Ursache hierfür ist in 90% der Fälle eine Punktmutation im Faktor V-Gen, bei der an Position 1691 des Gens ein Guanin (G) gegen ein Adenin (A) ausgetauscht ist (Bertina et al., 1994). Dies hat im translatierten Protein den Austausch der 506. Aminosäure Arginin durch Glutamin zur Folge (FV:Q506). Das so veränderte Faktor V-Genprodukt wird auch als Faktor-V-Leiden (FVL) bezeichnet. Da durch den beschriebenen Aminosäureaustausch die Bindungsstelle von Faktor V für das APC-Protein mutiert ist, kann die FVL-Variante nur noch unzureichend von APC gespalten und inaktiviert werden. Faktor V hat somit eine erhöhte Resistenz gegenüber dem aktivierten Protein C, was in einer Akkumulation des Faktors Va resultiert und demzufolge eine gesteigerte Gerinnungsneigung mit sich bringt. Dies führt letztendlich zu einem erhöhten Thromboserisiko.
Mit einer Prävalenz von etwa 1:20 für den heterozygoten Genotyp ist Faktor-V-Leiden der am weitesten verbreitete, erbliche Risikofaktor für venöse Thrombosen in der Normalbevölkerung. Die Mutation konnte bislang nur bei Kaukasiern, nicht aber bei Afrikanern und Asiaten nachgewiesen werden. Etwa 5% der Bevölkerung weist eine APC-Resistenz auf, bei Patienten mit eigener oder familiärer Anamnese für Thrombosen steigt dieser Wert auf 20-60%. Die Allel-Frequenz für die beschriebene Mutation liegt damit 10fach höher als bei anderen genetisch bedingten Risikofaktoren für Thrombosen wie Mangel an Protein C oder Antithrombin. Homozygote Merkmalsträger haben ein 50-100fach, heterozygote ein 5-10fach höheres Thromboserisiko. Durch die Kombination mit anderen Risiken steigt die Wahrscheinlichkeit, eine Thrombose zu erwerben, noch weiter an. So führt z.B. die Einnahme von oralen Kontrazeptiva zu einem etwa 5fach erhöhten Thromboembolie-Risiko, in Kombination mit einer heterozygoten Faktor V-Mutation erhöht sich das Risiko auf das 35fache.
Die Messung der APC-Resistenz ist ein wichtiger labordiagnostischer Parameter zur Erkennung funktionaler Störungen im Gerinnungssystem. Falsch-niedrige APC-Ratios durch hohe Faktor VIII-Aktivität oder durch niedriges freies Protein S stellen allerdings ein Problem dieser Diagnostik dar. Hier bietet sich die Genanalyse des Faktor V-Gens als Ergänzung an.

Prothrombin 20210A

Ende 1996 konnte ein weiterer hereditärer Faktor für ein erhöhtes Thromboserisiko entdeckt werden (Poort et. al., 1996). Es handelt sich um einen G®A Austausch an Position 20210 im 3‘-nicht-translatierten, regulatorischen Bereich des Prothrombin-Gens, in dessen Folge es zu einer erhöhten Prothrombin-Aktivität im Plasma kommt. Prothrombin (Faktor II) ist die Vorstufe des aktiven Gerinnungsenzyms Thrombin (Faktor IIa), welches eine Schlüsselposition bei der Regulation der Gerinnung (u.a. bei der Überführung von Faktor V in Faktor Va) einnimmt. Neben dem erhöhten Risiko einer Thrombose wurde auch ein 4fach erhöhtes Herzinfarktrisiko gefunden. Nach ersten Ergebnissen weist die Variante in heterozygoter Form eine Prävalenz von 1-2% auf.
In einer Studie an über 100 Frauen mit venöser Thromboembolie konnte erstmals ein additiver Zusammenhang des Risikos bei Personen mit beiden Sequenzvarianten (FVL und Prothrombin 20210A) nachgewiesen werden (Gerhardt et al., 2000). Die Frequenz beider Polymorphismen betrug 9,3% in der Gruppe Betroffener gegenüber 0% in einer Kontrollgruppe. Das Risiko eine Thrombose zu bekommen steigt somit bei Trägerinnen beider Varianten disproportional gegenüber Trägerinnen nur einer der beiden Varianten. Das relative Risiko für Personen mit beiden Sequenzvarianten ist etwa 6fach höher gegenüber Nichtträgern.


Vorteile dieses Kits:

  • Einfache, sichere und gleichzeitige Identifizierung von homo- und heterozygoten Merkmalsträgern dreier signifikanter Polymorphismen, Faktor-V-Leiden und Prothrombin 20210A
  • Die Prothrombin-Mutation 20210A ist nur auf DNA-Ebene sicher nachweisbar; Aus Bestimmungen der Prothrombin-Aktivität im Plasma lässt sich im Einzelfall nicht auf das Vorliegen der Variante schließen.
  • Ermöglicht eine erweiterte Thrombose-Risikoabschätzung
  • Geeignet als prognostischer Parameter bei Thromboseneigung
  • Kann auch unter oraler Antikoagulation durchgeführt werden



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weiterführende Literatur

  • Bertina, R.M., Koelemann, B.P.C., Koster, T., Rosendaal, F.R., Dirven, R.J., de Ronde, H., van der Velden, P.A., Reitsma, P.A. (1994)
    Mutation in blood coagulation factor V associated with resistance to activated protein C.
    Nature 369: 64-67
  • Gerhardt, A., Scharf, R. E., Beckmann, M. W., Struve, S., Bender, H. G., Pillny, M., Sandmann, W., Zotz, R. B. (2000)
    Prothrombin and factor V mutations in women with a history of thrombosis during pregnancy and the puerperium.
    New Eng. J. Med. 342: 374-380
  • Holm, J., Zöller, B., Svensson, P.J., Berntorp, E., Erhardt, L., Dahlbäck, B. (1994)
    Myocardial infarcation associated with homozygous resistance to activated protein C.
    Lancet 344: 952-953
  • Markis, M. et al. (1997)
    Co-inheritance of the 20210 A allele of the prothrombin gene increases the risk of thrombosis in subjects with familial thrombphilia.
    Thromb Haemost 78: 1426-1429
  • Poort, S.R., Rosendaal, F.R., Reitsma, P.H., Bertina, R.M. (1996)
    A common genetic variation in the 3'-untranslated region of the prothrombin gene is associated with elevated plasma prothrombin levels and an increase in venous thrombosis.
    Blood 88: 3698-3703
  • Rodgers, G. M. (1995)
    Activated protein C resistance and inherited thrombosis
    Am J Clin Path 103: 261-262
  • Vandenbroucke, J. P.,Koster, T., Briet, E., Reitsma, P.H., Bertina, R.M., Rosendaal, F.R. (1994)
    Increased risk of venous thrombosis in oral-contraceptive users who are carriers of factor V leiden mutation.
    Lancet 344: 1453-1457
  • Voorberg, J., Roelse, J., Koopman, R., Büller, H., Berends, F., Cate, J.W., Mertens, K., van Mourik, J.A. (1994)
    Association of idiopathic venous thromboembolism with single point-mutation at Arg506 of factor V
    Lancet 343: 1535-1536
  • Witt, I. (1997)
    Prothrombin (Faktor II)-Mutation 20210. Ein neuer heriditärer Risikofaktor für Thromboembolien.
    Clin Lab 44: 61
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Methode
Auswertung
Infektion
Humangenetik
  Hämatologie
Faktor-V-Leiden und Prothrombin
  Faktor-V-Leiden, Prothrombin 20210A + MTHFR
  MTHFR
  Hereditäre Hämochromatose
  Immunologie
HLA-B*27 und CYP2D6*4
HLA-DRB1 Shared epitope
Zöliakie (HLA-DQ2 und DR4)
Zöliakie (HLA-DQ2, DQ8 und DR4)
IDDM
  Stoffwechsel
Apolipoprotein E+B
Osteoporose
Alpha-1-Antitrypsin
Lactose-Intoleranz
Fructose-Intoleranz Neu!
  Pharmakogenetik
Zytochrom P450 CYP2C19
Zytochrom P450 CYP2C9 + VKORC1
Glutathion-S-Transferase
NAT2


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