| Klinische
Relevanz
Der Alpha-1-Antitrypsin-Mangel (Laurell-Eriksson-Syndrom) ist eine
der häufigsten autosomal-rezessiv vererbten Krankeiten in der
europäischen Bevölkerung. Ursächlich für die
Erkrankung sind diverse Mutationen im Alpha-1-Antitrypsin-Gen (PI),
welches auf dem langen Arm von Chromosom 14 (14q32.1) liegt .
Alpha-1-Antitrypsin (AAT) ist der wichtigste Proteinaseinhibitor
im menschlichen Blutplasma. Seine Hauptaufgabe ist die Hemmung der
Neutrophilen-Elastase, sowie die Hemmung einer Reihe anderer Proteasen
wie Trypsin, Plasmin, Thrombin und Plasminogen. Das lytische Enzym
Elastase wird nach Infektionen von Leukozyten freigesetzt und spielt
eine essentielle Rolle bei der körpereigenen Bekämpfung
von Fremdkörpern, indem es in unmittelbarer Umgebung der Infektion
das Gewbe zersetzt und damit den Abtransport der Fremdkörper
ermöglicht. Dieser Zersetzungsprozess wird durch die Wirkung
von Alpha-1-Antitrypsin streng reguliert. Liegt, wie beim Laurell-Eriksson-Syndrom,
ein Mangel des Proteinaseinhibitors AAT vor, kann sich der lytische
Prozess unkontrolliert ausbreiten und zur Zersetzung großer
Teile des umgebenden Gewebes führen. Dies führt z.B. in
der Lunge zu einem Lungenemphysem, an welchem bis zu 60% der Patienten
mit einem AAT-Mangelsyndrom versterben. Ein weiteres stark betroffenes
Organ ist die Leber. 10% der homozygot betroffenen Neugeborenen
entwickeln Leberschäden, die oft zu einer juvenalen Leberzirrhose
bis hin zu Leberkrebs führen, ca. 75 % der betroffenen Erwachsenen
erkranken an chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen.
Obwohl weit mehr als 70 allelische Varianten von AAT bekannt sind,
sind es im wesentlichen zwei Mutationen die zu einer phänotypischen
Ausprägung führen und damit klinisch relevant werden.
Die in Nordwesteuropa häufigste Variante Pi Z zeichnet sich
durch einen Aminosäurenaustausch von Glutaminsäure nach
Lysin bei Codon 342 aus, während die in Südeuropa häufigere
Mutation Pi S einen Austausch von Glutaminsäure nach Valin
bei Codon 264 aufweist.
Die häufigste Ursache des Laurell-Eriksson-Syndrom ist auf
die Pi Z Mutation zurückzuführen. Bei ZZ-Homozygoten sind
lediglich 15% des Normallevels (ca. 1,5 bis 3,5 mg/ml ) des AAT-Proteins
im Plasma nachweisbar. Daher erfolgt eine erste Verdachtsdiagnose
oft durch Bestimmung des Alpha-1-Antitrypsin-Spiegels im Blut. Stark
verminderte bis fehlende Konzentrationen des Proteins weisen auf
einen homozygoten Defekt hin. Bei Heterozygoten werden meist Konzentrationen
im unteren Normalbereich gemessen. Da es sich beim Alpha-1-Antitrypsin
allerdings um ein Akut-Phase-Protein handelt, können bei Heterozygoten
während einer Infektion oder unter Therapie mit Östrogenen
bzw. Steroiden auch stark erhöhte Konzentrationen gemessen
werden, was zwangsläufig zu einer Fehldiagnose führen
würde. Die Bestimmung des Alpha-1-Antitrypsin-Spiegels im Blut
ist daher zur Identifizierung heterozygoter Merkmalsträger
ungeeignet. Erst die Typisierung der Alpha-1-Antitrypsin-Allele
kann in diesen Fällen die Diagnose sichern. Wie relevant eine
Identifizierung von heterozygoten Merkmalsträgern ist, wurde
erst im Jahre 2002 bei einer Populationsstudie in Skandinavien gezeigt.
Von willkürlich ausgewählten 9187 Personen waren 451 (4,9%)
heterozygote Pi Z-Merkmalträger mit einem um 31% reduzierten
AAT-Plasmalevel gegenüber der gesunden Normalbevölkerung.
Da die Inzidenz für Heterozygotie wesentlich höher als
die für Homozygotie ist, stellt die AAT-Heterozygotie ein nicht
zu unterschätzendes gesundheitspolitische Problem dar. Eine
Genotypisierung des PI-Gens kann darüber hinaus zur Differentialdiagnostik
bei Zystischer Fibrose und chronischen Lungenerkrankungen angezeigt
sein.
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weiterführende Literatur
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Rapid and simple diagnosis of the two common a1-proteinase inhibitor
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