Assoziation von HLA-B*27 und ankylosierender Spondylitis
Seit langem ist bekannt, dass zwischen dem HLA-B*27 Allel und
der ankylosierenden Spondylitis (AS; Synonym: Morbus Bechterew)
eine enge Assoziation besteht (1). Etwa 90-95% der Patienten mit
AS sind HLA-B*27 positiv, bei einer phänotypischen Frequenz
von ungefähr 7-9% unter Kaukasiern (2,3). Aufgrund dieser
hohen Krankheitsassoziation eignet sich die HLA-B*27 Typisierung
zur differentiellen Diagnose der Spondylitis ankylosans. Auch die übrigen
seronegativen Spondylarthritiden sind zu einem hohen Prozentsatz
mit HLA-B*27 assoziiert (3).
Bis Anfang 1999 wurden insgesamt vierzehn verschiedene Subtypen
von HLA-B*27 beschrieben (B*2701-B*2704, B*27051, B*27052, B*2706-B*2712
und B*2714) (4-6). Der pathogene Mechanismus, durch den HLA-B*27
eine erhöhte Anfälligkeit für AS verursacht, ist
unbekannt. Vereinzelt wurde berichtet, dass die Subtypen B*2703,
B*2706 und B*2709 in einigen Bevölkerungsgruppen weniger deutlich
assoziiert seien mit der AS, so z.B. B*2703 bei Westafrikanern
(7) und B*2706 bei Thailändern (8). Unter Kaukasiern hingegen
sind mit einer Frequenz von etwa 90% B*27051 und mit etwa 5-10%
B*2702 die dominierenden Subtypen, alle anderen Subtypen sind äußerst
selten (2,9,10). Aufgrund dieser Verteilung erscheint zum gegenwärtigen
Zeitpunkt eine Subtypisierung von HLA-B*27 zumindest für die
differentielle Diagnostik von nur geringem Wert.
Neben den herkömmlichen, serologischen Methoden wurden
für die HLA-Typisierung eine Reihe von DNA-Analysemethoden beschrieben.
Basierend auf der Polymerase Kettenreaktion kann die HLA-B*27 Typisierung durch
Amplifikation mit sequenzspezifischen Primern (SSP-PCR, 11), durch Hybridisierung
mit sequenzspezifischen Oligonukleotiden (SSOP-PCR, 12) oder durch die Ausnützung
eines Restriktionslängenpolymorphismus (13) erfolgen.
Die Nachteile der serologischen Typisierung liegen darin, dass
für die Untersuchung
lebende Zellen benötigt werden und durch mögliche Kreuzreaktivitäten
der verwendeten Alloantiseren und monoklonalen Antikörper die Möglichkeit
von Fehlinterpretationen bestehen (14).
Die Typisierungen durch die Methoden der Polymerase Kettenreaktion
haben sich als wesentlich genauer und zuverlässiger erwiesen (10,14,15). Die einzelnen
Proben lassen sich zudem einfacher lagern, transportieren und können mehrfach
getestet werden. Insbesondere die HLA-B*27 Typisierung durch Hybridisierung mit
sequenzspezifischen Oligonukleotiden (SSOP-PCR) ist eine zuverlässige, reproduzierbare,
robuste und einfach durchzuführende Methode.
Die in diesem Testsystem eingesetzte HLA-B*27 gruppenspezifische
Sonde erkennt außer B*2712 alle bis dato publizierten B*27 Subtypen. Eine Kreuzreaktivität
zu einem anderen der publizierten HLA Subtypen (4,5) besteht nicht, mit Ausnahme
von B*7301. Der auch serologisch B*27 negative Subtyp B*2712 unterscheidet sich
wesentlich von allen anderen B*27 Subtypen und vermittelt vermutlich keine erhöhte
Empfänglichkeit für die ankylosierende Spondylitis (16). B*7301 gehört
zu den sehr selten vorkommenden Subtypen mit einer Frequenz in der deutschen
Bevölkerung von nur 0,2% (17). Um zwischen B*27 und B*7301 unterscheiden
zu können, wurde eine Sonde auf dem Teststreifen aufgetragen, die spezifisch
ist für B*7301 jedoch nicht für einen der B*27-Subtypen.
CYP2D6*4 – Allel
Neben
der Assoziation von HLA-B*27 und der ankylosierenden Spondylitis
(AS) gibt es zusätzlich Hinweise auf Einflüsse von nicht-MHC-Genen
auf diese Krankheit. Vor allem das Gen für das Cytochrom P450-2D6
ist in dieser Hinsicht untersucht worden (18,19).
Mit einer phänotypischen Frequenz von 5–10% unter der kaukasischen
Bevölkerung tritt der sogenannte „poor metabolizer“ Phänotyp
als eine Defizienzform dieses P450-Enzyms auf. Bisher sind 15 Subtypen des
CYP2D6-Gens bekannt, welche den „poor metabolizer“ Phänotyp
hervorrufen können, wobei 75% der Träger dieses Phänotyps den
Subtyp CYP2D6*4 (Synonym: CYP2D6B) homozygot aufweisen (19) (Allelhäufigkeit:
28%). Als nächst häufigster Subtyp tritt CYP2D6*5 auf, eine Totaldeletion
des CYP2D6 Gens, Allelhäufigkeit:2%. Patienten, welche diese Defizienzen
homozygot zeigen, haben ein erhöhtes Risiko an AS zu erkranken, im Vergleich
zu Heterozygoten und Personen ohne diese Defizienzen (18,19).
Neben der Prädisposition für AS ist der Phänotyp des CYP2D6
ein wichtiger Faktor in der Medikamentation der AS-Patienten. In seiner Funktion
als Leberenzym ist es für die Umsetzung des bei der Behandlung häufig
verabreichten Codeins in Morphin zuständig. Bei einer heterozygoten Defizienz
kann diese Umsetzung nicht mehr vollständig, bei homozygoter überhaupt
nicht mehr erfolgen (18).
In diesem Testsystem wurden auf diesen Erkenntnissen aufbauend
Gensonden eingesetzt, welche die Hauptmutation 1846G>A (Basenaustausch an Nukleotid 1846 von Guanin
zu Adenin) des Subtypen CYP2D6*4 detektieren. Auch eine Unterscheidung zwischen
homozygotem und heterozygotem Auftreten der Mutation ist möglich.
Des weiteren kann der Genotyp homozygot CYP2D6*5 (Deletion des
CYP2D6 Gens) durch einen Ausfall der PCR und damit ein Fehlen eines
Hybridisierungssignals
für CYP2D6 bestimmt werden. Der seltene Fall heterozygot CYP2D6*4/ CYP2D6*5
kann jedoch nicht von homozygot CYP2D6*4 unterschieden werden.
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