Hintergrund
Die Rheumatoide Arthritis (RA) oder chronische Polyarthritis ist mit 800000 Betroffenen die derzeit häufigste entzündliche Systemerkrankung der Gelenke in Deutschland. Der Verlauf der Erkrankung kann individuell sehr unterschiedlich sein. Insbesondere bei Patienten mit sehr schwerem Krankheitsverlauf ist eine frühzeitige und richtige Prognose dringend erforderlich, um den Therapieverlauf zu beeinflussen und mögliche Spätschäden zu vermeiden.
Hier eröffnet der Nachweis unterschiedlicher Autoantikörper und genetischer Marker bei RA-Patienten neue Möglichkeiten. Der bekannteste ist der Rheumafaktor (RF). Zu den neueren Methoden zählen Antikörper gegen das "cyklische citrullinierte Peptid" ( Anti-CCP) und der Nachweis des so genannten "Shared Epitope" (SE).
Indikationen
- Prognose des Krankheitsverlaufs bei Patienten mit Rheumatoider Arthritis
- Therapieoptimierung
- Therapiewahl
- familiäre Häufigkeit bei RA
- Erkennung von Patienten mit einer Antibiotika resistenten Form der Lyme-Arthritis
"Shared Epitope"
- ein neuer prognostischer Marker
Durch eine Vielzahl von Studien ist belegt, dass eine genetische Disposition für die RA durch einige Allele der HLA-DR Region besteht (4-14). So ist die RA in nahezu allen untersuchten Bevölkerungsgruppen assoziiert mit den HLA-DR4 Subtypen DRB1*0401, *0404, *0405 und *0408 (5). Auch einige Nicht-DR4 Allele sind in verschiedenen ethnischen Bevölkerungsgruppen mit der RA assoziiert, so z.B. DRB1*0101, *0102 und DRB1*1001 bei Kaukasiern (5,6) und DRB1*1402 bei amerikanischen Ureinwohnern (5).
Alle RA-assoziierten HLA-DRB1 Allele kodieren in ihrer dritten hypervariablen Region an der Position 70-74 für die Aminosäuremotive QKRAA (*0401), QRRAA (*0404, *0405, *0408, *0101, *0102, *1402) oder RRRAA (*1001) (7), das so genannte "Rheumatoide Epitope" oder "Shared Epitope" (Aminosäure-Einbuchstabencode: Q Glutamin, K Lysin, R Argenin, A Alanin). Etwa 80-90% aller kaukasischen RA-Patienten sind heterozygot oder homozygot für eines dieser HLA-DR-Shared Epitope Allele.
Wie die Entstehung der RA durch das "Shared Epitope" der
HLA-DRB1 Allele gefürdert wird, ist nicht bekannt. Einer Hypothese nach existiert das "Shared Epitope" auch in den Antigenen verschiedener Mikroorganismen, fungiert dort in einem bestimmten Kontext als Epitope für das Immunsystem und führt im Laufe einer Immunantwort schliesslich zu einer Durchbrechung der Toleranz ("molecular mimikry" Hypothese, 8).
Untersuchungen zeigen, dass neben dem erhähten Risiko an der RA zu erkranken das Vorhandensein des "Shared Epitope" auch als prognostischer Marker für den Verlauf und die Schwere der Erkrankung dienen kann (9-15). Darüber hinaus wurde in zahlreichen Studien ein Gendosis-Effekt nachgewiesen. Patienten, bei denen beide HLA-DRB1 Allele das "Shared Epitope" tragen, haben häufig einen schwereren Krankheitsverlauf, als solche mit nur einem SE-Allel. Insbesondere die HLA-DR4 "Shared Epitope" positiven Allele sind prädiktiv für eine progressive und destruktive Verlaufsform der RA (vgl. Tabelle).
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