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Viele Medikamente bzw. pharmazeutisch
wirksame Substanzen werden durch eine Reihe von Enzymen in der Leber
modifiziert und abgebaut. In den sog. Phase I -Reaktionen erfolgt
eine chemische Modifikation durch Oxidation, Reduktion oder Hydrolyse.
Enzyme der Phase II -Reaktionen führen Konjugationsreaktionen
wie Acetylierungen, Sulfonierungen oder Glycosylierungen durch. Alle
diese Reaktionen dienen dazu exogene oder endogene Substanzen in eine
wasserlösliche Form zu überführen, sie dadurch zu entgiften
und ihre Ausscheidung über die Nieren zu ermöglichen.
Die Verstoffwechselung von Medikamenten ist individuell sehr verschieden.
So lassen sich Personen mit einem langsamen, schnellen, sehr schnellen
oder ultraschnellen Metabolismus unterscheiden. Dies kann u.U. zu
erheblichen Komplikationen bei der Behandlung führen. Ursache
für diese individuellen Unterschiede sind polymorphe Allele der
Gene von Phase I und II Enzymen. Der Phänotyp "langsamer
Metabolismus" wird durch Defizienzallele, der Phänotyp "sehr
schneller bzw. ultraschneller Metabolismus" durch Genduplikationen
verursacht.
Die Zytochrom P450 (CYP) Häm-Monooxygenasen bilden beim Menschen
die wichtigste Gruppe der Phase I Enzyme. Sie oxidieren endogene (z.B.
Steroide) oder exogene Substanzen (viele Medikamente) durch die Einführung
eines Sauerstoffatoms aus dem Luftsauerstoff. Die Zytochrom P450 Gene
umfassen eine Supergenfamilie mit einer geschätzten Anzahl von
60 bis 100 verschiedenen Genen im menschlichen Genom, wovon jedoch
nur eine kleine Gruppe in die Oxidation von pharmazeutisch wirksamen
Substanzen involviert ist. Den größten Anteil am Medikamenten-Metabolismus
hat das P450 Isoenzym CYP3A4 (50%) gefolgt von CYP2D6 (20%), CYP2C9
und CYP2C19 (zusammen 15%). Die restlichen Anteile fallen auf CYP2E1,
CYP2A6 und CYP1A2 (eine vollständige Liste aller zur Zeit bekannten
Allele der Zytochrom P450 Gene findet sich unter http://www.imm.ki.se/CYPalleles/
).
Vom CYP2C19 Gen wurden bisher elf verschiedene Allele gefunden, von
denen neun inaktive Versionen des Enzyms kodieren. Das Wildtypallel
wird als CYP2C19*1 bezeichnet, alle weiteren Allele als CYP2C19*2
bis *8 . Ist bei einem Individuum eines der beiden Allele vom Wildtyp,
so ergibt sich daraus der Phänotyp schneller Metabolismus (engl.
extensive metabolizer, EM). Homozygotie für Defektallele ergeben
den Phänotyp langsamer Metabolismus (engl. poor metabolizer,
PM). Die Messung des CYP2C19-Phänotyps erfolgt durch orale Verabreichung
von S-Mephenytoin. In Individiuen mit dem Phänotyp EM wird das
S-Mephenytoin rasch hydroxyliert und über die Nieren ausgeschieden.
In PMs erfolgt nahezu keine Hydroxylierung, stattdessen wird das S-Mephenytoin
nur langsam demethyliert.
Während nahezu 20% aller Asiaten den Phänotyp CYP2C19-PM
besitzen, sind es unter Kaukasiern je nach Bevölkerungsgruppe
lediglich 2-5%. Bei Asiaten sind die Allele CYP2C19*2 und *3 zusammen
für 100% der PM-Fälle verantwortlich. Bei Kaukasiern liegt
in 85% der PM-Fälle homozygot das Allel CYP2C19*2 vor. Die Allele
CYP2C19*3 bis *8 kommen dagegen extrem selten vor. Für die übrigen
15% der Fälle von CYP2C19-PM werden bisher noch unentdeckte Allele
verantwortlich gemacht.
Die CYP2C19 Allele eines Patienten können in hohem Maße
den Erfolg einer medikamentösen Behandlung beeinflussen. So hat
z.B. in Individuen vom Phänotyp CYP2C19-PM der Protonenpumpenhemmer
Omeprazol eine signifikant verlängerte Halbwertszeit. Als Folge
davon zeigten heterozygot Patienten für eines der defizienten
Allele eine verbesserte Heilungsrate bei Helicobacter pylori Infektionen
nach Omeprazol und Antibiotika Behandlung (60% gegenüber 28,6%).
Bei Patienten mit zwei defizienten Allelen lag die Heilungsrate sogar
bei 100%. Weitere wichtige Medikamente, deren Wirkung durch den CYP2C19
Polymorphismus beeinflußt wird, sind verschiedene Antidepressiva,
Barbiturate, Diazepam und der Antimalaria-Wirkstoff Proguanil. Eine
umfassende Zusammenstellung aller bekannten Substrate mit direkter
Verbindung zu Literaturstellen ist unter http://medicine.iupui.edu/flockhart/
zu finden
Zur Phänotypisierung ist es notwendig, daß der Proband
zum Zeitpunkt der Untersuchung völlig frei von Medikamenten ist,
da sonst der Phänotyp CYP2C19-PM nicht genetisch sondern medikamentös
induziert worden sein könnte. eine Genotypisierung kann dagegen
jederzeit vorgenommen werden. In der pharmazeutischen Industrie werden
Patienten, die an klinischen Studien zur Einführung neuer Medikamente
teilnehmen, daher bereits routinemäßig auf ihren Zytochrom
P450 Genotyp hin untersucht. Informationen über den Genotyp eröffnen
für den Arzt die Möglichkeit einer gezielten, individuellen
Dosierung und Voraussagen über den möglichen Erfolg einer
medikamentösen Behandlung.
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