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Zytochrom P450 CYP2C9
RDB
2075
Bestimmung der Risikoallele für Warfarin-Hypersensitivität
CYP2C9*2 und CYP2C9*3
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Viele Medikamente bzw. pharmazeutisch
wirksame Substanzen werden durch eine Reihe von Enzymen in der Leber
modifiziert und abgebaut. In den sog. Phase I -Reaktionen erfolgt
eine chemische Modifikation durch Oxidation, Reduktion oder Hydrolyse.
Enzyme der Phase II -Reaktionen führen Konjugationsreaktionen
wie Acetylierungen, Sulfonierungen oder Glycosylierungen durch. Alle
diese Reaktionen dienen dazu exogene oder endogene Substanzen in eine
wasserlösliche Form zu überführen, sie dadurch zu entgiften
und ihre Ausscheidung über die Nieren zu ermöglichen.
Die Verstoffwechselung von Medikamenten ist individuell sehr verschieden.
So lassen sich Personen mit einem langsamen, schnellen, sehr schnellen
oder ultraschnellen Metabolismus unterscheiden. Dies kann u.U. zu
erheblichen Komplikationen bei der Behandlung führen. Ursache
für diese individuellen Unterschiede sind polymorphe Allele der
Gene von Phase I und II Enzymen. Der Phänotyp "langsamer
Metabolismus" wird durch Defizienzallele, der Phänotyp "sehr
schneller bzw. ultraschneller Metabolismus" durch Genduplikationen
verursacht.
Die Zytochrom P450 (CYP) Häm-Monooxygenasen bilden beim Menschen
die wichtigste Gruppe der Phase I Enzyme. Sie oxidieren endogene (z.B.
Steroide) oder exogene Substanzen (viele Medikamente) durch die Einführung
eines Sauerstoffatoms aus dem Luftsauerstoff. Die Zytochrom P450 Gene
umfassen eine Supergenfamilie mit einer geschätzten Anzahl von
60 bis 100 verschiedenen Genen im menschlichen Genom, wovon jedoch
nur eine kleine Gruppe in die Oxidation von pharmazeutisch wirksamen
Substanzen involviert ist. Den größten Anteil am Medikamenten-Metabolismus
hat das P450 Isoenzym CYP3A4 (50%) gefolgt von CYP2D6 (20%), CYP2C9
und CYP2C19 (zusammen 15%). Die restlichen Anteile fallen auf CYP2E1,
CYP2A6 und CYP1A2 (eine vollständige Liste aller zur Zeit bekannten
Allele der Zytochrom P450 Gene findet sich unter http://www.imm.ki.se/CYPalleles/
).
Vom Zytochrom CYP2C9 sind neben dem Wildtypallel CYP2C9*1 elf weitere
Allele bekannt, CYP2C9*2 bis *12. Bei den Allelen *2 und *3 kommt
es durch je eine Punktmutation zum Austausch einer Aminosäure
im Protein. Bei CYP2C9*2 wird ein Arginin an der Position 144 ersetzt
durch ein Cystein (R144C), bei CYP2C9*3 wird ein Isoleucin an der
Position 359 ersetzt durch ein Leucin (I359L). Die aus den mutanten
Allelen CYP2C9*2 und *3 resultierenden Proteine zeigen nur etwa 12%
bzw. 5% der enzymatische Aktivität verglichen mit dem Wildtypprotein.
In der kaukasischen Bevölkerung sind etwa 19% heterozygot für
die Allele CYP2C9*1/*2 und 3% homozygot CYP2C9*2/*2. Das Allel CYP2C9*3
ist etwas seltener, 15% der Bevölkerung sind heterozygot CYP2C9*1/*3
und nur etwa 1% homozygot CYP2C9*3/*3.
Das Zytochrom P450 CYP2C9 ist beteiligt am Stoffwechsel einer Reihe
von pharmakologisch wichtigen Substanzen wie Phenytoin (Antiepileptikum),
Tolbutamide (Antidiabetika), Losartan (Angiotensin II Rezeptor-Antagonist),
Warfarin (Antikoagulant), Diazepam (Entzündungshemmer). Eine
umfassende Zusammenstellung aller bekannten Substrate mit direkter
Verbindung zu Literaturstellen findet sich im Internet unter http://medicine.iupui.edu/flockhart/
Patienten mit kardiologischen Erkrankungen werden häufig durch
orale Verabreichung von Antikoagulantien wie z.B. dem Cumarinderivat
Warfarin therapiert. Trotz großer Fortschritte sind Blutungen
infolge einer falschen Dosierung gefürchtete Nebenwirkungen der
Behandlung. Studien zufolge treten jährlich bei etwa 7,5% der
Patienten Komplikationen auf, die bei 0,25% fatal enden. Die effektive
Tagesdosis von Warfarin variiert individuell zwischen 0,5 bis 60 mg.
Die Ursache für eine Hypersensitvität für Warfarin
liegt im Genotyp des Zytochrom P450 CYP2C9, dem Leberenzym das verantwortlich
ist für den oxidativen Metabolismus des Warfarin. In einer Studie
von Aithal und Kollegen besaßen 81% der Patienten, die mit nur
einer geringen Warfarin-Dosis (1,5 mg oder weniger) therapiert wurden
ein oder zwei der mutierten CYP2C9 Allele, gegenüber 40% in einer
Kontrollgruppe. Im Verlauf ihrer Behandlung hatten von den genetisch
determinierten Warfarin-sensitiven Patienten viermal mehr Komplikationen
durch Blutungen als Patienten, die mit einer höheren Dosis therapiert
wurden.
Eine Genotypisierung von CYP2C9 identifiziert die Subgruppe der Patienten,
bei denen es durch die defizitären Allele CYP2C9*2 und *3 zu
Komplikationen bei einer Warfarintherapie kommen könnte. Der
behandelnde Arzt hat bei Vorhandensein von einem oder zwei der mutierten
Allele die Möglichkeit auf andere Cumarinderivate zurückzugreifen
oder die Eingangsdosierung von Warfarin entsprechend herabzusetzten.
In der pharmazeutischen Industrie werden Patienten, die an klinischen
Studien zur Einführung neuer Medikamente teilnehmen, bereits
routinemäßig auf ihren Zytochrom P450 Genotyp hin untersucht.
Informationen über den Genotyp eröffnen für den Arzt
die Möglichkeit einer gezielten, individuellen Dosierung und
Voraussagen über den möglichen Erfolg einer medikamentösen
Behandlung.
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weiterführende
Literatur
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