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In Deutschland sind ca. 15 Millionen Menschen von Laktoseintoleranz betroffen, was circa 15-20 % der deutschen Bevölkerung entspricht. Weltweit leiden etwa 50% der Bevölkerung unter einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Laktoseintoleranz, wobei es in Asien und in Teilen Afrikas sogar 90% bis 100% Betroffene sind.
Die Laktoseintoleranz manifestiert sich klinisch durch Unverträglichkeit von Milch und laktosehaltigen Lebensmitteln mit Bauchschmerzen, Völlegefühl, Übelkeit, Blähungen und Durchfall. Daneben berichten Betroffene auch von einer Vielzahl weiterer unspezifischer Symptome wie Kopfschmerzen, Erschöpfungszustände und Kreislaufbeschwerden.
Die biochemische Ursache einer Laktoseintoleranz ist der Mangel bzw. das Fehlen des Verdauungsenzyms Laktase-Phlorizin Hydrolase (LPH), welches im Darm Laktose in Glukose und Galaktose aufspaltet. Da nur die Spaltprodukte über die Darmwand resorbiert werden können, verbleibt die Laktose unverdaut im Darm und wird dort durch Darmbakterien abgebaut, was die oben beschriebenen Symptome hervorruft.
Es gibt 3 Formen von Laktoseintoleranz:
- Der erworbene Laktasemangel ist die häufigste Form. Hier lässt die Laktaseproduktion im Laufe des Lebens und führt letztendlich zum Zustand der Laktose-Malabsorption (physiologischer Laktasemangel).
- Beim seltenen primären Laktasemangel ist der Organismus von Geburt an nicht in der Lage Laktase zu bilden, so dass Beschwerden schon im Säuglingsalter auftreten (neonataler Laktasemangel).
- Demgegenüber steht der sekundäre Laktasemangel, der oft als Folgeerscheinung von Darmerkrankungen wie Zöliakie (Sprue, siehe auch AID Kit RDB2065) oder Morbus Crohn auftritt. Der sekundäre Laktasemangel erholt sich mit fortschreitender Heilung der Grunderkrankung, da Laktase wieder in ausreichendem Maße zur Verfügung gestellt werden kann.
Diagnostik: Laktose-Belastungstest und H2-Atemtest
Sollte aufgrund der klinischen Symptomatik ein begründeter Verdacht bestehen, wird ein Laktose-Belastungstest durchgeführt, bei dem nach Verabreichung einer größeren Menge Laktose stündlich ein Blutzuckertest durchgeführt wird. Sollte der Blutzucker nicht in normalem Maße ansteigen ist eine Laktoseintoleranz als wahrscheinlich anzusehen. Für Kinder ist dieser Test durch die notwendigen Blutabnahmen als ungeeignet anzusehen.
Die zweite diagnostische Möglichkeit ist der Wasserstoffatemtest. Wird Laktose aufgrund einer Laktoseintoleranz nicht abgebaut, verstoffwechseln Bakterien das Disaccharid in tieferen Darmabschnitten, wobei als Nebenprodukt Wasserstoff entsteht. Dieser breitet sich im Körper aus und kann schließlich in der Atemluft gemessen werden. Wird ein bestimmter Schwellenwert an Wasserstoff in der Atemluft überschritten kann eine Laktoseintoleranz als gesichert angesehen werden.
Bei Säuglingen ist dieser Test erst ab einem Alter von 4 Monaten möglich.
Die bisherigen eingesetzten indirekten Testverfahren (H2-Atemtest, Laktose-Belastungstest) sind oft mit hohem Aufwand und einer gesundheitlichen Belastung des Patienten verbunden, insbesondere zur Ausschlußdiagnose bei Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa Patienten. Zudem sind sie für Säuglinge und Kinder erst ab einem bestimmten Alter einzusetzen oder oft generell als ungeeignet anzusehen.
Der Gentest liefert hier eine präzise und schnelle Diagnostik mit geringem Aufwand, da lediglich eine einmalige Blutabnahme erforderlich ist.
Nachweis der Polymorphismen C/T-13910 bzw. analogem G/A-22018
Dieser PCR-basierte Test beruht auf dem Nachweis zweier Mutationen, die nachweislich zu einer stark reduzierten bzw. fehlenden Laktase Enzymaktivität führen.
Mittels einer Studie an neun betroffenen Familien aus Finnland konnten zwei verantwortliche Polymorphismen etwa 20 Kilobasen vor dem LCT-Gen (dieses Gen codiert die Laktase-Phlorizin Hydrolase) aufgefunden werden. Beide Polymorphismen liegen in nichtcodierenden Regionen des MCM6 Gens (1): in Intron 9 liegt die Variante G/A-22018, in Intron 13 findet sich die DNA-Variante C/T-13910.
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| Abb. 1: Darstellung der beiden Polymorphismen C/T -13910 bzw. analogem G/A-22018 im Genlocus der primären adulten Laktoseintoleranz am Chromosom 2q21 LPH (Laktase Phlorizin Hydrolase); (modifiziert nach (1)) |
Das homozygotes Vorliegen von Cytosin an Position 13910 (relativ zum ATG-Start des LCT-Gens) sowie der homozygote Status G/G an Position 22018 ist zu 100% mit dem klinischen Krankheitsbild einer Laktoseintoleranz in den untersuchten Familien assoziiert ist.
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C/T-13910 |
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G/A-22018 |
| Genotyp |
CC |
CT |
TT |
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GG |
GA |
AA |
| Laktoseintolerant |
144 |
0 |
0 |
|
137 |
7 |
0 |
| Laktosetolerant |
0 |
100 |
87 |
|
0 |
100 |
87 |
Tabelle 1 : Verteilung der Genotypen in Personen mit biochemisch bestätigter Laktoseintoleranz im Vergleich zu gesunden Kontrollen (verändert aus Enattah et al.)
Dieses Resultat wurde darüber hinaus in einer Fall/Kontroll-Studie mit über 1000 Personen weiter bestätigt, wobei sich unter den betroffenen Personen auch Deutsche befanden (1). Inzwischen konnte zudem eine Korrelation zwischen der Laktaseaktivität und Auftreten der allelischen Varianten C und G hergestellt werden. So zeigt u.a. die Arbeit von Rasinpera und Kollegen, dass das homozygote Auftreten des C-Allels der C/T-13910-Variante mit einer sehr niedrigen Laktaseaktivität von unter 10U/g Protein einhergeht (2).
Die Genotypisierung der C/T-13910-Variante mit dem AID-Testkit stellt eine sichere und aussagekräftige Diagnostik bei Verdacht auf eine Laktoseintoleranz dar. Betroffene können auf diese Weise schnell von Ihren Beschwerden befreit werden, indem sie lactosehaltige Lebensmittel meiden und eine lactosearmen bzw. lactosefreien Diät einhalten.
Laktoseintoleranz und Osteoporose
Neueste Studien zeigen, dass bei laktoseintoleranten Frauen die Knochendichte im Vergleich zu altersgleichen Personen signifikant reduziert ist. Die genetische Disposition einer Laktoseintoleranz scheint somit zu einer tendentiell erniedrigten Knochendichte und erhöhten Frakturanfälligkeit beizutragen. Dies ist schon alleine durch die verringerte Kalizumzufuhr bei lactoseintoleranten Patientinnen eine nahe liegende Folge.
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